Der Anfang vom Ende vom Anfang - Teil 3

Warnung! Weiterlesen auf eigene Gefahr! Ihre zukünftigen Entscheidungen könnten beeinflusst werden.

Kennengelernt hatte ich meinen Exmann 14 Jahre zuvor. Er war super witzig, hatte immer einen lockeren Spruch auf Lager, war unternehmungslustig, verlässlich, verständnisvoll und (für mich das wichtigste): er hat mich vergöttert. Das waren die Gründe, warum ich mich über beide Ohren in ihn verliebt hatte und daraus die große Liebe meines Lebens geworden war.

Die Liebe meines Lebens….witzig.

Naja, dies hatte sich, aus mir noch ungeklärten Gründen, total in Luft aufgelöst. Diese tollen Eigenschaften wurden während der Bauzeit von nazistisch, cholerisch, lieblos und desinteressiert abgelöst.

Stellt euch mal vor, meine Schwiegermutter kam am Polterabend zu mir, zog mich in ein stilles Eckchen und sagte: „Bist du sicher? Du weißt wie er ist! Willst du das? Überleg doch nochmal.“

Puh. Harter Tobak, oder?! Jesses! Was stimmt denn bei der nicht?

Jetzt weiß ich, mit ihr stimmt alles! Sie wollte mich wirklich warnen. Im Nachhinein finde ich meine Ex-Schwiegermutter eigentlich ganz putzig. Sie war immer auf meiner Seite, aber ich habe es nicht geschnallt und immer als Angriff gesehen.

Schwiegertiger…..Falls du das liest: Es tut mir leid und danke für den Tipp!

Vor ca. 10 Jahren hatte ich, zusammen mit meiner Freundin und einer Flasche Rosé, die Überlegung gefasst ihn zu verlassen. Ich war einfach nicht mehr glücklich und zufrieden.

„Für alle, die jetzt anfangen mit – man muss sich um sein eigenes Glücklichsein kümmern und nicht der Partner – möchte ich sagen: NÖ! Natürlich muss man immer an sich selbst arbeiten. Und wenn man mit sich selbst unzufrieden ist, kann der Partner noch so ein gigantischer Held sein, es funktioniert trotzdem nicht. Aber wenn du eigentlich immer gut drauf bist, wenn dein Partner nicht in der Nähe ist und du nur Probleme hast wenn er da ist? Dich runter zieht und du dadurch unzufrieden, unglücklich und teilweise traurig wirst? Dann ist dein Partner definitiv nicht unschuldig daran, dass du unglücklich bist! Da kannst´e grinsend durch die Gegend rennen wie du willst, es ist halt trotzdem doof.“

Ich war also gefestigt und wollte mich trennen – „HAHA“ hat sich das Leben aber gedacht und mir am Trennungstag einen positiven Schwangerschaftstest unter die Nase gehalten.

Ich war überglücklich! Überrascht, aber überglücklich! Und er, ja er war es auch. Alles würde sich nun ändern, einfach alles wird wieder wunderbar.

Äääähm, nein!

Es war zwar tatsächlich so, dass er sich ab diesem Zeitpunkt zusammengerissen hat. Aber lustigerweise nur während der Schwangerschaft. Danach verfiel der frisch gebackene Papa in sein altes Muster, nur noch viel schlimmer. Dies musste ich auch gleich erfahren, als mich mein Bruder aus dem Krankenhaus holen musste, da der Papa keine Zeit hatte. Und auch, als ich zu Hause ankam und statt einem selbst gesägten Storch aus Holz und Luftballons, noch die mit Fruchtwasser getränkten Handtücher vorfand und wegräumen durfte.

Och manno, was für´n Scheiß! Aaaaber, um was super positives aus der Sache zu ziehen: Ich war Mama :). Das mit Abstand geilste Gefühl ever. Also…die paar Tücher können doch meinen super Flow nicht bremsen oder aufhalten.

Es soll ja Männer geben, die eine starke Verantwortung, Last oder einen wahnsinnigen Leistungsdruck in bzw. auf sich spüren, wenn auf einmal eine „Familie“ da ist. Also… habe ich zumindest gehört 😉

Ich weiß nicht, warum das so ist? Für mich unerklärlich.

Eine Frau wird (meiner Meinung nach) erwachsen mit der Geburt des ersten Kindes. Männer hingegen sind ab dem Moment, wo die Frau in den Wehen unsagbare Schmerzen erfährt, nur noch … ach ich weiß jetzt auch keinen passenden Vergleich.

Aber sie wissen, das was ihre Frau da gerade leistet, können sie nicht toppen! Und so kommen wir zu dem Druck und der Last, die sie dann haben. Versteht mich nicht falsch, es gibt auch „Familienmänner“. Die unterstützen ihre Frau, schätzen was sie leistet (was natürlich auf Gegenseitigkeit beruht) und wuppen das Familienleben gemeinsam.

Dann gibt es noch die „Geber-Männer“. Hier, meist ganz klassisch, geht der Mann arbeiten, kümmert sich um die Absicherung der Familie. Unternimmt Sonntags tolle Sachen mit den Kindern und die Frau hat hier die Aufgaben, die halt eine Frau in den 60ern so hatte. Was ja auch nicht schlimm ist, wenn man das von beiden Seiten aus möchte.

Ich hingegen bin recht selbstständig, selbstbewusst, witzig (mein Gott, bin ich witzig!), setze gerne um was ich mir in den Kopf setze, liebe meine Arbeit und arbeite auch gerne und möchte dieses „Happy Family“-Schema gerne fahren. Nun gut, so war mein Plan. Aber wie das so ist, war der Plan scheiße.

Wir haben zwar im gleichen Haus gewohnt und auch gemeinsame Kinder gehabt, aber finanziell und emotional waren wir komplett getrennt.

Irgendwann wurde mir klar…du weißt nix über deinen Mann. Keine Arbeitszeit, kein Einkommen, keine Kredithöhen oder Darlehns, keine Versicherungen, nein nichts!

Wahnsinn, wenn man jetzt darüber nachdenkt! Fast beschämend. Wie kann man sowas nicht wissen als EHEFRAU. Es ist ja nicht so, dass ich nie gefragt hätte, er hat es einfach nur charmant abgetan oder mich (hier der nazistische Choleriker) gefragt, ob ich bei der Stasi wäre oder was jetzt mit mir los ist. Hmmm, ja was war mit mir los?! Warum hab ich alles abgegeben? Noch nicht mal einen Nagel in die Wand durfte ich machen, Verzeihung…in SEINE Wand, oder eine Blume kaufen…schier undenkbar! Die Luftfeuchtigkeit wird ja durch so eine kleine Topfpflanze so erhöht – es würde das ganze Haus wegschimmeln! Die Zahl der Todesopfer wegen einer kleinen 3,99 € Topfpflanze sind bis heute wahrscheinlich schon unerreicht.

Also jetzt im Nachhinein muss ich ja echt oft schmunzeln. Würde ich diese Geschichte selbst lesen, würde ich mich wahrscheinlich kringeln vor Lachen. Sowas muss man ja auch mal erlebt haben. Außerdem möchte ich die Zeit niemals rückgängig machen! Wäre er nicht gewesen, hätte ich diese zwei tollen Kinder nicht! Aber das nur mal kurz am Rande erwähnt.

Wusstet ihr, dass ein Kaffee (je nach Kaffeesorte) ca. 28 Cent kostet? Ich wusste das. Hat mir mein Mann beigebracht. Das sind nämlich jedes Mal  mindestens 28 Cent von seinem Geld, wenn mich meine Freundin besucht. Sie war irgendwann so genervt von ihm, dass sie Kekse, Wasser und Kaffee selber mitgebracht hat. Er fragte dann schon: „Bringst du deine eigenen Sachen mit?“ Als sie das bestätigte, nickte er zuversichtlich. So nach dem Motto: „Endlich haben sie es geschnallt.“ Oder so …

Diese finanzielle Trennung zog sich auch durch den Alltag. Frage: „Schatz, gibst du mir bitte Geld zum tanken?“

Antwort: „Nein, ich leihe dir Geld zum tanken.“ (Wohl gemerkt, ich hatte gerade entbunden und kein Einkommen, bis auf das Elterngeld. Ja ne, is klar oder?!)

Eine weitere Situation meiner persönlichen Top 10 war auch:

Ich (böse Ehefrau) habe eines Tages das Flaschenpfand abgegeben. Es stapelte sich im Stadel und im Sommer ist das nicht so toll. Also dachte ich mir, gebe ich es schnell ab. Ich war ja noch zu Hause und hatte Zeit. So der Gedanke, aber nein. Er kam von der Arbeit und sah: Das Pfand war weg!

Da steuerte er direkt auf mich zu und fauchte mich mit bösem Blick an: „Wo ist mein Pfand?!“

Nur kurz zur Erklärung: Er hat das Pfand beim Einkauf bezahlt und ich besitze die Frechheit, sein Geld zu empfangen. Es ging also nicht ums Pfand, sondern um die bescheuerten 25 Cent pro Flasche die seine Frau eingeheimst hat. Ohne Erlaubnis!

Bevor ich irgendwie antworten konnte, kam meine Trauzeugin, die gerade da war, ums Eck gestochen (Jaaa…..sie war leicht genervt von ihm) und sagte in einem sehr, sehr ernsten und bestimmenden Ton: „Dein Pfand hat deine Frau abgegeben, damit sie Windeln kaufen kann. Damit dein Kind da reinmachen kann!“

Damit ihr es euch bildlich vorstellen könnt müsst ihr wissen, dass mein Ex ein Bär von einem Mann ist. Meine Freundin hat eher die Größe von Tinkerbell. In diesem Fall allerdings eine äußerst furiose Tinkerbell!

Puh.

Stille.

Kurz hatte ich das Gefühl, dass das Dorf auf lautlos gestellt wurde.

Krasser Scheiß! Entschuldigt meine Ausdrucksweise, aber das war mein Gedanke. Wie geil ist das denn?

Go Bea, go! Gib‘s ihm! Aber da mein Mann nicht stritt, also niemals nie nicht, ging er wortlos ins Haus. Somit war das Thema Pfand gelöscht. Wir haben nie wieder darüber gesprochen.

Das war die Geschichte, wie Bea mein neuer realer Superheld wurde und ich wieder lernte, was Widerspruch ist.

In diesem Moment fühlte ich eine wahnsinnige Stärke in mir! Ich war so stolz! 1:0 für mich! Es war zwar nicht mein Verdienst und ich hatte ja so gar keinen Ton gesagt, aber es war ein Sieg für mich. Ab dieser Sekunde wusste ich: Hey… ich muss nicht so „klein“ bleiben, wie er mich gemacht hat. Ich kann auch nein sagen! Und das tat ich ab diesem Augenblick.

Ich war wieder sarkastisch, zweideutig, locker und ich sagte wieder nein!

Ich muss euch noch kurz an meinem aktuellen Leben teilhaben lassen:

Seit acht Monaten habe/hatte ich wieder einen Partner, aber da es “nicht so ins Laufen kommen wollte”, habe ich mich heute entschlossen, ihn zu verlassen.

Seine Antwort: „Schade.“

Ha ha haaaa, ich brech zam! Es ist und bleibt ein Running Gag 😉

Schade.

Von

S.M.

Liebt: 2 Liter Kaffee täglich und gute Freunde

Liebt nicht: Zecken (mega widerlich), kolerische Menschen

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