Ja, ich will. Oder doch nicht?

„I said yes!“ Zwei Hände, ein Brilliantring und im Hintergrund der Eiffelturm. Wie romantisch! Wie klischeehaft…

Und schon wieder wird eine Freundin von mir heiraten. So langsam fängt sie an, die Zeit der Junggesellinnenabschiede, Hochzeiten und Babypartys. Da wird man dann natürlich auch selbst von allen Seiten gefragt, wann es denn bei einem selbst soweit ist.

Mutti und Vati warten schon sehnsüchtig, der Chef kriegt bei dem Thema Panikattacken, und ich? Will ich heiraten?

Seit über sechs Jahren führe ich nun eine harmonische und glückliche Beziehung, seit zwei Jahren wohnen wir nun auch schon zusammen. Wir haben viel zusammen erlebt: Glückliches und Schönes aber auch traurige Momente. Wir haben alles unbeschadet überstanden. Man könnte jetzt sagen, also warum nicht? Zeit wäre es ja so langsam. Manche heiraten ja auch schon nach sechs Monaten Beziehung.

Den Standard-Romantikurlaub in Paris haben wir letztes Jahr im Herbst von unserer Löffelliste gestrichen: Tagsüber, der Blick vom Trocadero auf den Eiffelturm – Er: „Das Sandwich ist aber lecker. Mampf, mampf.“ Keine Frage, kein Ring. Danach, auf dem Eiffelturm mit wunderbarer Sicht über Paris – Er: „Roaming ist ja jetzt kostenlos. Ich mach mal einen Videoanruf nach Hause.“ Keine Frage, kein Ring. Abends, auf dem Montparnasse mit Blick auf den glitzernden Eiffelturm – Er: „Tu jetzt mal das Handy weg, lass uns die Stimmung genießen.“ Kommt sie jetzt? Nein. Keine Frage, kein Ring.

Dann wird sie wohl nie kommen, die Frage mit den vier Wörtern. Aber bei so vielen Verlobungsring-Bildern und Hochzeitseinladungen macht man sich dennoch den ein oder anderen Gedanken.

Ist er der Mann für’s Leben? Ja, eigentlich schon.

Möchte ich ihn denn auch heiraten? Das ist ja heutzutage gesellschaftlich tatsächlich nicht mehr notwendig. Aber will ich es trotzdem? Will ich heiraten?

Als meine Schwester geheiratet hat, habe ich Pinterest nach Deko-Vorschlägen und Frisuren durchforstet. Da fällt einem dann natürlich auch das ein oder andere Brautkleid vor die Füße. Und zack, hat man sein ganzes Pinterest-Leben mit Hochzeitskleidern gefüllt.

Und ich muss gestehen, ich habe schon einen Favoriten. Ich würde ihn auch liebend gern mal anziehen. Das Kleid (standesgemäß: weiß, eierschalenfarben, creme, elfenbeinfarben, cremeweiß, sandfarben oder so ähnlich) hat einen schönen tiefen Rückenausschnitt, ein bisschen Spitze und ist schmal geschnitten. Eine klassische A-Linie, für die Profis unter euch. Und für dieses Kleid sollte ich auch noch relativ knackig sein. Also jetzt. Oder nächstes Jahr. Vielleicht schaffe ich es auch meine Knackigkeit noch zwei Jahre zu halten. Aber dann wird es schon schwierig… Favorit adé!

Mein Papa durfte seine erste Tochter nicht an den Altar führen, das wollte der Pfarrer nicht. Ich glaube, er hätte es trotzdem sehr gerne gemacht. Da ich Papa’s kleine Prinzessin bin, würde ich ihm das gerne ermöglichen. Als kleines Dankeschön für alles, was er mir ermöglicht hat. Und ohne ihn gäbe es mich schließlich auch nicht!

Willst du heiraten? Ein kleines Kind würde „Ja“ sagen, weil man da so schöne Kleider anziehen kann und man sich richtig hübsch machen und tanzen und lange aufbleiben kann und man knutschen kann. Habe ich also die Motive eines kleinen Mädchens?

Ich habe auch schon immer gesagt wenn ich heirate, nehme ich den Namen von meinem Mann an. Das liegt einfach an meinem Nachnamen. Er ist umständlich, man muss ihn einfach immer buchstabieren. Und auch das kapiert – wie soll es auch anders sein – nicht jeder. Im Restaurant bin ich nur noch Frau Meier oder Müller.

Aber habt ihr mal überlegt, was dann damit alles zusammenhängt? Es ist ja nicht nur das Klingelschild und die Unterschrift, die geändert werden müssen. Offizielle Dokumente wie Führerschein, Ausweis, Reisepass, Fahrzeugpapiere und Kreditkarte sind ja noch das geringste Übel. Amazon, Zalando, AboutYou, H&M, Tchibo, Payback, Facebook, Xing, LinkedIn … um nur einige zu nennen. Die wissen ja nicht, dass man einen neuen Namen hat. Und wie ist das mit der Mail-Adresse?

Nein, danke!

Letztens habe ich auch eine Studie zum Thema Hochzeiten gefunden: Je mehr ein Paar für seine Hochzeit ausgibt, desto eher lassen sie sich wieder scheiden. Keine Hochzeit = kein Geld dafür ausgegeben = ewige Beziehung? Mit zwei Studienkrediten ist bei uns momentan sowieso nicht viel zu holen.

„Aber Kind! Denk doch an die Zukunft! Wenn ihr Kinder habt, musst du dich finanziell absichern!“, höre ich die Stimme meiner Mama. Super, Vernunft-Hochzeit. Mit dickem Bauch im weißen Kleid? Kein Alkohol? Nein, danke. Hochzeitsfeier mit Kleinkind? Die Frage der Blumenkinder hat sich dann erübrigt. Aber trotzdem: Wer passt auf das Kind auf? Die Familie soll ja schließlich mitfeiern. Nur ein paar Tage in die Flitterwochen? Och, nö! Ich will doch nach Hawaii!

Als leidenschaftliche Träumerin und berufliche Event-Managerin habe ich mir im Kopf meine perfekte Hochzeit schon zusammengestellt. Sie ist fertig. Ich kann nichts dafür! Mein berufliches Tun und meine Kreativität fangen bei dem Thema an, sich selbst zu übertreffen. Und Pinterest kippt dann auch noch eine Wagenladung Öl ins Flammenmeer meiner Gedanken.

Will ich heiraten? Hmm… warum nicht? Der Gedanke, einmal im Mittelpunkt zu stehen, gefällt mir eigentlich ganz gut. Mich so richtig aufzubrezeln, ein schickes Kleid anzuziehen und die ganze Nacht durchzutanzen. Dazu komme ich nicht allzu häufig. Ja, ich würde, glaube ich sehr gerne heiraten.

Ob ich meine fertig geplante Traumhochzeit bekomme? Oder doch eine Vernunft-Hochzeit mit dickem Bauch? Mal sehen. Eines weiß ich aber ganz sicher: Ich werde die Frage aller Fragen nicht stellen. Das ist immer noch Männersache…!

Autor

Linda Budell

Liebt: Sport, gute Laune und Wein. Guten Wein.

Liebt nicht: Langsame Autofahrer

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