10 Fragen an eine Pole Dancerin

Pole Dance: Ein Sport, der in den letzten Jahren immer mehr an Beliebtheit gewonnen hat. Anders als der Name suggeriert, handelt es sich hierbei ganz und gar nicht um einen einfachen Stangentanz. Denn Pole Dance verbindet die Elemente Tanz, Flexibilität und Kraftsport miteinander und macht dabei auch noch richtig Spaß! Dadurch wird nicht nur die Ausdauer gefördert, sondern auch das Herz-Kreislauf-System gestärkt.

Immer mehr Frauen entdecken diesen Sport für sich, weil sie dadurch an Selbstbewusstsein gewinnen und ihren Körper verstehen und lieben lernen. Doch auch bei Männern wird Pole Dance immer beliebter.

Die Faszination für den Vertikalsport ist vor allem auf seine Vielseitigkeit zurückzuführen: So gibt es wie beim Tanz verschiedene Stile, wie zum Beispiel „Pole Fitness“, „Contemporary Pole“ (eine Art Ausdruckstanz), „Exotic Pole“ (sexy Tanz) oder „Sensual Pole“ (emotionaler Tanz).

Neben dem Tanzen hat auch der Fitnessfaktor eine große Bedeutung. Nicht ohne Grund gehört Pole Dance zu den Akrobatiksportarten. Doch was macht diesen Sport so besonders? Wir haben Sarah Peys gefragt. Sie tanzt seit sieben Jahren, ist Trainerin im Aerial Gym in Dortmund und nimmt regelmäßig an Meisterschaften teil.

 

-1-   Du tanzt seit sieben Jahren Pole Dance. Wie bist du eigentlich darauf gekommen?


Das war mehr ein Zufall … Ich habe schon immer sehr gerne getanzt und irgendwann mit Lateintanz angefangen. Dort habe ich einen Tanzpartner gehabt, der nie kam, und das hat mich dann natürlich frustriert. Zufällig habe ich dann im Fernsehen einen Pole Dance-Auftritt gesehen und war total begeistert. Das war mal etwas anderes. Und dafür brauchte ich auch keinen Tanzpartner, auf den ich mich verlassen musste: Die Stange ist ja immer da (lacht).

 

-2-   Warum gerade Pole Dance? Was begeistert dich daran?


Am Anfang war es die Tatsache, dass es etwas Anderes, etwas Neues ist. Es ist nicht irgendein gewöhnlicher Sport. Mich begeistern vor allem die Artistik und die Kreativität. Es muss für die Zuschauer so aussehen, als würde man schweben. Das ist sehr anspruchsvoll, weil es so anstrengend ist. Und es ist wirklich erstaunlich, wie unterschiedlich die Tänzer und wie einzigartig ihre Stile sind.

 

-3-   Wie lange hat es gedauert, bis du deine erste

„schwierige Figur“ geschafft hast und zufrieden damit warst?


Definiere schwierige Figur (lacht). Am Anfang ist ja sowieso immer alles schwierig, jede neue Figur. Aber das, was ich immer schon können wollte, war der Handspring, vor allem im „Cup“-Griff. Es hat auch echt lange gedauert, bis ich ihn konnte, weil ich immer dachte: „Nein, ich habe nicht die Kraft dafür!“. Wie lange kann ich jetzt gar nicht mehr sagen, aber bestimmt ein paar Monate. Gefühlt dauert es eh immer zu lange (lacht). Als ich es dann geschafft habe, bin ich schreiend und tanzend durch das Studio gerannt.

 

-4-   Pole ist eine Kombination aus Kraft, Flexibilität und Tanz.

Was ist das Schwierigste am Pole Dance?


Flexibilität, ganz klar! Ich habe sehr viel Kraft und damit kann ich auch gut umgehen. Getanzt habe ich ja vorher schon und deswegen ist mir das auch nie so schwergefallen. Aber Flexibilität hatte ich nie, vor allem nicht in den Beinen. Also Frauenspagat, Männerspagat oder Rückenflexibilität. Das musste und muss ich mir hart erarbeiten.

 

-5-   Was ist das Schlimmste/Peinlichste/Unangenehmste,

was dir bisher in deiner „Pole-Laufbahn“ passiert ist?


Da muss ich wirklich überlegen … Von der Stange fällt jeder einmal, das ist also nicht schlimm oder peinlich. Aber das Peinlichste für mich ist wirklich immer noch, wenn ich Teilnehmer auf der Straße nicht wiedererkenne. Ich sehe sie ja beim Training nur in Sportkleidung. Und es ist nochmal etwas ganz anderes, ihnen in ihrer Alltagskleidung zu begegnen. Das ist mir immer total unangenehm, wenn sie mich grüßen und sich freuen und ich dann fragen muss: Ehm, woher kennen wir uns jetzt genau? (lacht)

 

-6-   Welche Figur magst du überhaupt nicht und warum?


Also das was ich überhaupt nicht mag, sind Figuren, ohne gestreckten Fuß. Ich finde das bricht so die Linie.

 

-7-   Was wäre dein größter Wunsch für deine Pole Karriere?


Das entwickelt sich natürlich immer. Am Anfang, als ich als Teilnehmerin getanzt habe, war es immer der nächste Trick. Eine etwas schwierigere Figur, ein bisschen besser, schöner und graziler zu tanzen. Und dann, als ich mit den Meisterschaften angefangen habe, wollte ich immer ein Stückchen weiter kommen, immer ein bisschen besser werden, ein wenig erfolgreicher sein. Als Trainerin denke ich mir jetzt aber: Ich bin zufrieden mit dem, was ich bisher erreicht habe. Für mich ist es jetzt wichtiger, meine Teilnehmer bei ihren Zielen zu unterstützen.

 

-8-   Hast du auch andere Akrobatiksportarten ausprobiert?


Ja klar. Ich glaube, wenn einen irgendwann das Aerial-Fieber gepackt hat, dann ist man daran interessiert, auch andere Sachen auszuprobieren. Und gerade Pole entwickelt sich ja weiter. Am Anfang waren die Leute immer nur alleine an der Stange. Mittlerweile gibt es Partner- oder Gruppenakrobatik. Das steigert auch die Neugier, andere Dinge auszuprobieren, wie zum Beispiel Aerial Silk (Tuch) oder Hoop (Reifen). Mittlerweile trainiere ich auch Chair Dance.

 

-9-   Für wen ist dieser Pole Dance geeignet?


Prinzipiell für alle. Egal ob jung oder alt, dick oder dünn, groß oder klein. Jeder kann Pole Dance machen. Generell sollte man bei chronischen Erkrankungen, schwerem Asthma oder Wirbelsäulenproblem vorsichtig sein. Aber das ist kein Hindernis. Im Gegenteil: Einige Teilnehmer zeigten durch Pole Dance auch Verbesserungen.

 

-10-   Seit neustem arbeitest du ja im Aerial Gym in Dortmund.

Was macht euch aus?


Zum einen ist uns die Qualität unserer Arbeit enorm wichtig. Wir legen sehr viel Wert darauf, uns auszubilden. Das heißt, wir nehmen an Fortbildungen und Workshops teil und trainieren uns auch gegenseitig und versuchen, immer auf dem neusten Stand zu sein. Zum anderen wollen wir auch, dass sich unsere Teilnehmer wohlfühlen. Wir sehen uns eigentlich auch mehr als kleine verrückte Familie und versuchen Lebensfreude und Leidenschaft zu vermitteln. Wir haben unglaublich viele Ideen und sind sehr spontan: Wenn es schneit, nehmen wir uns einen Stuhl und machen draußen Chair Dance (lacht). Letztens hat eine Teilnehmerin ein Bild hochgeladen und geschrieben: Wenn es einem richtig beschissen geht, dann geht man zum Aerial Gym ins Studio. Das war für uns das größte Kompliment und hat uns unheimlich viel bedeutet.

Von:

Aie Al Khaiat

Liebt: Latte Macchiato und lesen <3

Liebt nicht: Nach dem Kochen aufräumen und Sellerie.

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