Trauzeugin gesucht

Yay?

 

„Willst du meine Trauzeugin sein?“

Mit dieser Frage wurde schon so manche Freundin und Verwandte beglückt. Im ersten Moment haben sich die meisten wahrscheinlich gedacht: „Wow! Was für eine Ehre, dass du gerade mich fragst! Vielen Dank! Und natürlich möchte ich deine Trauzeugin sein!“ Jubel, Trubel, Heiterkeit. Doch den wenigsten ist klar, wie viel Arbeit tatsächlich hinter dem Titel „Trauzeugin“ steckt. Romina Grimaldi war so nett, uns einen kleinen Einblick zu gewähren.

 

Wie kam es dazu, dass du die Trauzeugin

deiner Schwester geworden bist und nicht eine ihrer Freundinnen?


Das war für uns schon immer klar. Wir sind nicht nur Schwestern, sondern auch beste Freundinnen. Als Concetta circa 18 oder 19 Jahre alt war, habe ich immer auf sie gewartet, wenn sie ausgegangen ist. Da ich fünf Jahre jünger bin als sie, durfte ich zu dieser Zeit noch nicht so lange raus. Ich wollte alle Geschichten hören, alles wissen, was passiert ist. Sie war meine große Schwester und ein Vorbild für mich. Erst als sie von zuhause ausgezogen ist, sind wir auch Freundinnen geworden. Das hat sich noch vertieft, als wir dann für kurze Zeit noch einmal zusammen gewohnt haben. Als ich sie nach ihrer Verlobung noch einmal gefragt habe, ob sie mich eigentlich noch offiziell fragen würde, ob ich ihre Trauzeugin sein möchte, war ihre Antwort: „Nö. Ist doch wohl klar, dass du das bist.“

 

Wie bist du denn an das Projekt „Trauzeugin“ herangegangen?


Als ich Trauzeugin war, habe ich viele Dinge getan, von denen ich eigentlich nichts verstehe. Dinge, um die ich mich nur gekümmert habe, weil ich eben Trauzeugin war. Ich habe zwar viel bei der Dekoration geholfen, aber eigentlich habe ich mich mehr um die Organisation gekümmert. Ich bin leider nicht so kreativ, wie ich gerne wäre, aber dafür Concetta. Und im Organisieren bin eben ich besser. So haben wir uns gut ergänzt.

 

Wann hast du denn mit der Planung angefangen?


Die Hochzeit war für März geplant, also habe ich im September mit den Vorbereitungen begonnen.

 

Und was war deine erste Station?


Der Junggesellinnenabschied (lacht).

Ich habe versucht, es so einfach wie möglich zu halten. Ich wollte nicht groß diskutieren, was gemacht wird, oder jeden zufriedenstellen, der mitfeiern sollte. Ich wollte, dass es Concetta gefällt. Das war mein Hauptziel. Deshalb habe ich schon vorher viel mit unserer gemeinsamen besten Freundin festgelegt. Am Ende ging es dann zumeist nur noch um die Umsetzung. Von der Braut habe ich eine Liste bekommen, wen sie alles dabei haben möchte, und dann ein großes Treffen mit allen organisiert. Dort wurde aber auch nur der Termin festgelegt und ein paar Aufgaben an die Mitfeiernden übergeben. Wie zum Beispiel eine Drehscheibe mit kleinen Aufgaben zu gestalten oder die Organisation der Kostüme zu übernehmen. Den Rest konnten wir über WhatsApp regeln. Unsere beste Freundin war mir eine sehr große Hilfe dabei. Danach habe ich Concetta ein Buch mit den gesammelten Fotos bei der Hochzeit geschenkt. Es war großartig und lief besser als erwartet!

 

Was habt ihr denn am Junggesellininenabschied gemacht?


Ein Bekannter arbeitet bei einer Limousinen-Vermietung. Deshalb sind wir erst mit dem Zug nach München gefahren, sind dort in die Limousine umgestiegen und haben eine festgelegt Tour von Bar zu Bar gemacht. Es war richtig toll. Auf dieser Tour musste Concetta dann auch die kleinen Aufgaben lösen, die wir vorbereitet hatten. Da sie Disney liebt, durfte jeder als eine der Figuren kommen. Es war ein voller Erfolg.

 

Und was kam dann?


Dann haben wir die Dekoration und Listen zusammen gemacht. Ich habe die Organisation der Spiele auf der Hochzeitsfeier übernommen. Concetta wollte nur ein oder zwei Spiele, was schwierig war, da viele Freunde mit Ideen, die sie gerne umsetzen wollten, auf mich zugekommen sind.

Ich habe versucht, so gut es ging auf die Wünsche der Braut einzugehen. Ich habe mir alles aufgeschrieben, was sie vielleicht auch nur am Rande erwähnt hat, um zu recherchieren, wo ich es bekommen könnte. Meistens, wenn ich sie dann noch einmal danach gefragt habe, wollte sie es doch nicht mehr oder in einer anderen Farbe oder von einem anderen Hersteller (lacht).

Bei der Anprobe und Abholung des Hochzeitskleides habe ich natürlich auch geholfen. Sie hat wirklich jedes der gefühlt 1000 Kleider anprobiert, nur um sich dann für das letzte zu entscheiden (lacht). Als wir das Kleid abgeholt haben, sind mir schon die Tränen gekommen, obwohl ich normalerweise wirklich nicht emotional bin. Die Hochzeitszeitung stand auch noch auf meiner To-do-Liste und war sehr aufwendig. Ich musste lange auf Texte und Bilder warten, weshalb es am Ende fast zu knapp geworden ist.

 

War denn von vornherein abgesprochen,

was bei der Hochzeit alles in deinen Aufgabenbereich fällt?


Nicht wirklich. Das hat sich mehr entwickelt. Ich glaube, ich hatte auch tatsächlich mehr Angst vor der Hochzeit als die Braut. Eigentlich habe ich damit gerechnet, dass sie am Tag der Trauung zu Brautzilla mutiert. Aber ganz im Gegenteil: Sie war die Ruhe in Person und ich ein nervöses Wrack. Ich habe ständig gefragt, ob wir dieses und jenes hätten und ob auch wirklich alles da sei, was bestellt wurde. Irgendwie hatte ich die Sorge, dass wir am großen Tag selbst eine super wichtige Sache vergessen haben könnten. Das vielleicht ein Gast oder Helfer sagt: „Hey, jetzt kommt doch diese Einlage.“ oder „Für jetzt ist doch das hier geplant.“ und wir haben es nicht, weil es untergegangen ist. Dieses Gefühl war mein ständiger Begleiter über die ganzen Planungsmonate hinweg.

 

Das klingt ziemlich anstrengend.


Allerdings. Die Hochzeit hat mich wahnsinnig gemacht und ich war froh, als sie endlich vorbei war. Das habe ich meiner Schwester auch gesagt. Und sollte sie irgendwann noch einmal heiraten, komme ich zwar, mache aber nicht mehr die Trauzeugin. Ich war ein reines Nervenbündel während dieser Zeit. Wäre es jemand anderes gewesen, hätte ich mich selbst wahrscheinlich gar nicht so unter Druck gesetzt, aber Concetta ist nicht irgendjemand. Sie ist meine Schwester, beste Freundin und der wichtigste Mensch in meinem Leben. Ich wollte eben, dass es perfekt wird.

 

Gab es denn irgendwelche Pannen?


Bei der Hochzeitsfeier selbst eigentlich nicht. Allerdings kurz davor.

Das größte Problem hatten wir zwei Wochen vor der Hochzeit, als wir festgestellt haben, dass die Hussen für die Stühle nicht bestellt waren. Das hat dann aber kurzfristig doch noch geklappt, zum Glück! Und wir hatten noch eine weitere Panne. Wir wollten uns vor der Hochzeit in Ulm noch einem Spray-Tanning unterziehen, also etwas Farbe aufsprühen lassen, damit wir dann schön braun sind bei der Feier. Das war definitiv eine der schlechteren Ideen, die wir hatten! Das Problem war, dass man nach dieser Anwendung eigentlich einen Tag nicht duschen darf. Aber am Tag des Termins war es sehr heiß und wir haben auf der Heimfahrt sehr geschwitzt. Folge: Die ganze aufgesprühte Farbe ist an uns heruntergelaufen. Das war eher unschön (lacht). Zum Glück hat man am Tag der Trauung dann nichts mehr davon gesehen.

 

Wie siehst du diese Erfahrung im Nachgang?


Ich bin froh das es vorbei ist (lacht).

Aber im Nachhinein würde ich sagen, dass es sich auf jeden Fall gelohnt hat. Es war eine wunderschöne Feier. Die ganze Familie war da und alle unsere Freunde. Und Concetta war vollauf zufrieden, was ja die Hauptsache war.

 

Vielen Dank für das nette Gespräch. 🙂

Von

Christina Angele

Liebt: Schokolade, nerdige Filme und Kaninchen

Liebt nicht: Fisch und Heuschnupfen

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