Walk like an Egyptian

Sonne, Strand, gutes Essen, Schlaf, Auszeit von Menschen die einem auf die Nerven gehen. Die typischen Erwartungen, die man an einen gelungenen Urlaub hat.

Da Ali und ich dringend eine Portion – am besten gleich zwei – von allem benötigten, buchten wir eine Woche All Inklusive in Sharm el Sheik in Ägypten. In diesem Reisebericht wollen wir euch in die Sonne mitnehmen und somit die Wartezeit auf euren nächsten Urlaub verkürzen.

Von München ging es mit dem Flieger nach Sharm el Sheik. Nach der Landung fuhren wir voller Vorfreude mit einem Kleintransporter zu den verschiedenen Hotels. Kleiner Hinweis: Nicht jeder findet Kommentare lustig, in denen es heißt: „Oh, mit so einem Bus fangen doch die meisten Entführungen im Ausland an!“

Am Hotel angekommen haben wir uns erst einmal einen entspannten Abend an der Lobby-Bar gemacht und freuten uns über Gin Tonic´s. Die waren allerdings so stark, dass man von Zweien wahrscheinlich blind geworden wäre. Also beließen wir es vorerst mal bei einem, wer weiß was es noch so zu sehen gibt 😉

Nach der ersten Nacht freuten wir uns auf Sonne pur am Strand und vor allem Ruhe. Das sahen die Animateure jedoch anders. Im 30-Minuten-Takt liefen sie laut schreiend zwischen den Reihen hindurch und brüllten ihr abwechslungsreiches Programm herum. Es gab „waaaaaatergym“, „boooooooccia“ und was wir am amüsantesten und nach ein paar Tagen aber auch am nervigsten fanden „vooooooolleybaaaaaall“.

Zwischen den Pausen der Animateure machten sich die Ägypter auf die Suche nach Kundschaft. Für jede Aktivität war ein anderer Typ unterwegs. Anzumerken ist dabei, dass hier nur Männer beschäftigt waren. Ein wenig befremdlich für uns. Die wenigen Frauen, die im Hotel arbeiteten, waren für die Massagen an weiblichen Gästen und die Animation zuständig.

Wo waren wir stehen geblieben?! Ach ja, die Ägypter auf der Suche nach ihrem nächsten Opfer. Es wurden Massagen, kosmetische Behandlungen, Fotoshootings und Tauchausflüge angeboten. Die Männer waren zum Teil sehr aufdringlich und distanzlos. Fast schon übergriffig. Es wurde nicht gefragt, ob sie dich anfassen dürfen, sondern z.B. einfach drauf los massiert. Für Ali war dies weniger nervig als für mich.

Für einen unserer Abende hatten wir eine kosmetische Behandlung geplant. Wir gingen also nach dem Duschen zu dem Kosmetikstudio, in dem uns ein Ägypter empfing. In meinen Augen sah er genauso aus, wie alle anderen Ägypter auch. Ali fand es sehr witzig, dass ich die ganzen Typen nicht auseinander halten konnte. Wenn sie mir etwas über einen Ägypter erzählte, musste sie immer seinen Job dazu nennen, sonst konnte ich gar nicht auseinanderhalten, um wen es denn gerade geht. (Am Rande erwähnt sei hier: Die Gesichter von Personen, die einer anderen Ethnie angehören als wir selbst, können wir schlecht auseinander halten. Quelle: www.forschung-erleben.uni-mannheim.de; Also nicht mal die Wissenschaft kann mir das vorwerfen :P)

Im Studio angekommen wurden wir getrennt. Ali bekam ihre Haarentfernung mit einem Faden vom Chef und ich eine Gesichtsbehandlung von einem Angestellten der kein Wort Englisch konnte. Nach der Behandlung tauschten wir die Plätze. Ali erhielt nun ihre Gesichtsbehandlung und entspannte dabei auf einer Liege, wobei der Chef sehr bemüht war und auch hörbar mit ihr flirtete. Ich dagegen saß auf einem Friseurstuhl und bekam die Letzte von insgesamt vier Masken aufgetragen. Innerlich freute ich mich schon darüber bald fertig zu sein und den Laden verlassen zu können, da ich am Hals einen üblen Sonnenbrand hatte. Ich leuchtete wie eine Ampel ohne Grün und Orange, was den Angestellten nicht davon abhielt, meinen sehr verbrannten Hals zu massieren. Meine Reaktion darauf war … nennen wir es nicht besonders erfreut. Wie ihr euch vielleicht vorstellen könnt. Er reagierte jedoch sehr gelassen – klar er verstand mich ja auch nicht – und fing an meine Haare zu kämmen. Warum auch immer ist mir ein Rätsel. Eins aber weiß ich, wenn meine Haare trocknen habe ich Naturwellen und diese kämmte er gerade raus. Seine Reaktion darauf brachte mich noch mehr auf die Palme. Anstatt aufzuhören, zwinkerte er mir zu und lachte von oben auf mich herab.

Es kostete mich einiges an Beherrschung nicht auszuflippen. Also atmete ich mehrmals durch und dachte mir, es wird bald vorbei sein (sein Leben oder die Behandlung sei mal dahin gestellt).

Und in der Hoffnung, dass es nicht noch schlimmer werden könnte, lehnte ich mich auf meinem Stuhl zurück. Ein älterer Herr betrat das Studio. Er unterhielt sich mit dem Ägypter, der für mich zuständig war und entschied sich allem Anschein nach für eine Fußbehandlung. Der Ägypter machte sich an die Arbeit und wusch ihm die Füße. Weil meine Maske getrocknet und nun bereit zum Abwaschen war, kam er wieder zu mir und wollte direkt loslegen. Ja richtig gelesen, es gab kein Hände waschen oder Handschuhe oder irgendwas in die Richtung. Er wollte nahtlos weitermachen. Ich wurde laut und sarkastisch (Stufe 10), was mir entsetzte Blicke bescherte. Sein Chef kam direkt angelaufen und fragte was los sei. Bevor ich komplett die Fassung verlieren würde, beendete ich für mich – und vor allem ihn – lieber die Behandlung, bezahlte und verließ mit Ali das Studio des Schreckens. 😉

Nach dem Schock ging es erstmal in die Hotellobby. Wer weiß, zu was ein starker Drink so in der Lage ist 😉 Wie so oft, versammelte sich gefühlt das gesamte Hotel hier, da es kostenloses WLAN gab.

Die 24/7 geöffnete Bar könnte aber natürlich auch damit zusammenhängen. Ausgestattet mit unseren Drinks setzten wir uns zu zwei älteren Herren, da ansonsten alle Plätze belegt waren. Die beiden waren um die 50 Jahre alt, anscheinend gerne Biertrinker (wie man ihren Bäuchen ansah) und rot gebrannt. 😉 Sie fragten uns schon nach kurzer Zeit, ob wir Englisch sprechen würden. Das taten wir zwar, wieso das für die beiden allerdings interessant war, blieb uns ein Rätsel. Denn die Herren sprachen beide so gut wie kein Wort in dieser Sprache. Auf jeden Fall fragten sie uns aus. Wie die politische Lage aktuell in Deutschland ist. Ob wir ein Paar seien. Ach ja, das Gespräch mit den beiden war richtig unterhaltsam. Absoluter Höhepunkt der Unterhaltung war, als sie fragten ob wir mit in die Disco im Nachbarort fahren wollten. Jeden Abend gab es das Angebot vom Hotel aus mit einem Shuttlebus in die nächste Disco gebracht zu werden. Am heutigen Abend stand die Wahl zum „Mister Hotel“ auf dem Programm und einer der beiden hatte vor, daran teilzunehmen. Ich konnte mir ein sehr sarkastisches „Good Luck“ nicht verkneifen, was Ali extrem zum Lachen brachte und den Kumpel ebenfalls. Der angehende Mister Hotel verstand nicht so recht was uns so erheiterte, denn er war sehr überzeugt von seinem Vorhaben.

Als der Herr und die eventuell zukünftige Schönheitskönigin sich verabschiedet hatten, gingen wir zum Abendessen. In die heiligen Hallen des Speiseraumes zu treten war echt ein Highlight. Es gab so viel Auswahl an leckeren, verschiedenen Speisen, dass es fast zu schade war nur einen Magen zu haben 😀 Nach dem Hauptgang machten wir uns an die schwierige Aufgabe ein Dessert auszuwählen. Es gab zwei große Kühltheken voll mit Obst, kleinen Törtchen, großen Torten, Gebäck, noch mehr Torten, Schokolade und so viel mehr. Ich liebe Desserts und die Auswahl war überragend. Das nicht jedes Mal ein Engelschor gesungen hat, beim Anblick der Köstlichkeiten ist fast ein Frefel! 😀

Beladen mit einer kleinen Auswahl an Desserts machten wir uns auf den Rückweg zu unseren Plätzen. Der Speisesaal füllte sich nach und nach und auch hier gab es keinen Mangel an anderen kuriosen Hotelgästen. In der Schlange bei den frisch zubereiteten Speisen stand ein Mann, der laut vor sich hin summte. Er schien großen Hunger zu haben, da er bereits beim Anstehen von seinem Teller aß und jede Person ansprach, die ihm entgegen kam oder vor bzw. hinter ihm stand.

Während wir unsere Desserts aßen, setzte sich der Summer genau gegenüber von uns. Ali konnte kaum glauben, dass er ohne Begleitung da war, denn sein Tisch war mit Wein und zahlreichen Tellern gedeckt. Er saß jedoch alleine da und wechselte nachdem er auf der einen Seite fertig gegessen hatte, einfach die Tischseite. Währenddessen redete er fleißig mit sich selbst und sang laut irgendwelche italienischen Klassiker. Er fiel auf alle Fälle auf und sorgte für viele Schmunzler.

Die nachfolgenden Tage verbrachten wir am Strand. Mit der Zeit konnte man die Animateure und ihr Programm geschickt ignorieren und auch die Ägypter gingen auf Distanz. Mir gegenüber auf jeden Fall. Ali, der heiße Feger, brachte die Männer scharenweise um den Verstand. Die armen Ägypter verfielen ihr Reihenweise und so mancher Flirt wurde versucht. Sogar ein Heiratsantrag wurde ausgesprochen. Der Hotelfotograf war sehr interessiert an ihr und überredete sie schließlich zu einem Shooting am Strand. Wir trafen uns mit ihm in der Abenddämmerung. Er war Feuer und Flamme für sie. Nach gefühlt 500 Fotos gingen wir in sein Fotostudio. Beim durchsehen der Fotos gestand er ihr seine Liebe und fragte, wann sie wieder zu Besuch kommen würde. Er malte sich bereits eine gemeinsame Zukunft mit ihr aus.

Ali fand das Ganze nicht so lustig wie ich. 😛 Sie konnte ihm jedoch gut begreifbar machen, dass es keine gemeinsame Zukunft geben wird und mit Tränen in den Augen verabschiedete er sich von ihr.

Die restlichen Urlaubstage verliefen weniger spektakulär und Ali und ich konnten uns gut erholen und die Seele baumeln lassen.

Zusammenfassend ist also zu sagen, dass der Urlaub auf jeden Fall sehr lustig und ein wenig skurril war – so wie Ali und ich. 🙂

Von:

K. K.

Liebt: Sonne und Sarkasmus

Liebt nicht: Streit und Sorgen

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