Willkommen in Verona

Ein völlig subjektiver Reisebericht.

Ich bin ein großer Fan von Italien. Früher machte ich dort oft Urlaub mit meiner Familie und größtenteils verbinde ich schöne Erinnerungen damit. (Abgesehen von dem einen Zwischenfall, als ich mich total verlaufen und meine Familie erst nach Stunden wieder gefunden habe. Oder dem anderen Zwischenfall, als meine Familie mich vor dem Supermarkt vergessen hat. Keine Sorge, irgendwann ist ihnen mein Fehlen ja aufgefallen. Und da wäre natürlich noch meine unnatürliche Anziehungskraft für Quallen, die sich am Mittelmeer als eher unpraktisch erweist.)

Als ich mit einer Freundin den Film „Briefe an Julia“ gesehen habe, beschlossen wir also kurzerhand, einen Kurztrip nach Verona zu machen. Zugegeben, Hollywood hätte den Film wirklich nicht noch kitschiger gestalten können und das Ende ist wirklich äußerst fragwürdig. (SPOILER: Wieso, um Himmels willen, geht sie auf den Balkon? Das würde ein normaler Mensch doch echt nicht machen! Und er klettert hoch? Was für ein Stuss!) Aber es sind wunderschöne Aufnahmen von einer alten Stadt im schönen italienischen Sonnenlicht. Und die wollten wir unbedingt live erleben.

Am 28. April ging es dann los. Nach ca. sechs Stunden Fahrt (da wir aus dem schönen Allgäu angereist sind) kamen wir endlich an.

Wir wohnten in einem netten kleinen B&B, das sich in einer ruhigen Seitenstraße befand und lediglich zwei Gehminuten vom Zentrum entfernt lag. Es hieß B&B Castelvecchio und das Preis-Leistungs-Verhältnis war schwer in Ordnung. Da Italiener normalerweise nicht groß frühstücken, war die Auswahl am Morgen zwar nicht riesig, jedoch völlig ausreichend. Für alle, die morgens aber doch mehr brauchen, gibt es gleich um die Ecke einen Supermarkt. Der Eigentümer betreibt das B&B mit seiner Familie und begrüßt seine Gäste mit einer Karte der Stadt und vielen nützlichen Tipps.

Unterhalb des besagten Supermarkts um die Ecke gab es auch Parkmöglichkeiten. Deren Nutzung war zwar kostenpflichtig (15 Euro pro Tag), allerdings waren die Parkplätze bewacht und über Nacht abgesperrt. Es gab auch einen kostenlosen Parkplatz, der jedoch etwas außerhalb lag.

In Verona gibt es die sogenannte VeronaCard, mit der man entweder für 18 Euro einen Tag lang oder für 22 Euro zwei Tage lang überall Zutritt hat. Wir nahmen die Karte für 18 Euro, was sich im Nachhinein allerdings als eine Fehlentscheidung herausstellte, da wir doch eher die gemütlichen Touris waren. Für alle, die sich gerne Zeit nehmen und nicht hektisch von A nach B rennen möchten, weil die Karte nur einen einzigen Tag gilt: Nehmt die Karte für 22 Euro. Man kann die VeronaCard an verschiedenen Orten kaufen, wie zum Beispiel am Infopoint in der Via degli Alpini oder auch online unter www.turismoverona.eu. Wir selbst haben die Karten in der Arena gekauft, die bei der Piazza Brà im Zentrum steht. Damit kann man auch gleich die Arena selbst besuchen. In diesem Bauwerk aus 30 n. Chr. werden im Sommer Opern aufgeführt und Konzerte gegeben. Falls man zu dieser Zeit dorthin reist, ist das auf jeden Fall eine Überlegung wert. Und auch so bietet die Arena einen beeindruckenden Anblick.

Da wir noch nie in einer Oper waren, stand dies natürlich auch auf unserer To-do-Liste. Im April, wenn es noch recht frisch in Italien ist, werden die Opern in einem Theater aufgeführt, gleich bei der Touristeninformation. In einem sehr pompösen Saal versammeln sich opernverliebte Italiener, die am Ende an lautem Applaus und „bravissimo“-Rufen nicht sparen. Unsere Operette hieß „Norma“ und dauerte ca. drei Stunden. Das Bühnenbild war sehr beeindruckend und die Sänger wunderbar. Wenn man allerdings kein Italienisch spricht, sollte man sich besser vorher informieren, um was es in dem Stück überhaupt geht, da es ansonsten etwas schwierig ist, der Handlung zu folgen. Das soll heißen: Erst nachdem wir während der Vorstellung auf Wikipedia gesucht und gelesen haben, worum es geht, haben wir auch was geschnallt. Über der Bühne wurde zwar der Text der Arien eingeblendet, jedoch (wie sollte es anders sein) ebenfalls auf Italienisch. Ich muss gestehen: Dieses Erlebnis hat mich zu keinem Opern-Fan werden lassen, aber es war trotzdem eine schöne Erfahrung.

Und auch sonst gibt es in Verona einiges zu sehen, wie zum Beispiel die Basilica di San Zeno Maggiore. Auch hier kann man mit der VeronaCard hinein und bekommt sogar einen Audioguide in deutscher Sprache zur Verfügung gestellt.

Von der Aussichtsplattform auf dem Torre dei Lamberti hat man eine einmalige Aussicht über ganz Verona. Da der Turm im Zentrum steht und man in alle Richtungen blicken kann, hat man einen super Rundumblick.

Ein weiterer schöner Aussichtspunkt befindet sich beim Castel San Pietro, das etwas abseits des Stadtkerns liegt. Der Weg dorthin bietet eine gute Gelegenheit für einen schönen Spaziergang, bei dem man nette kleine Geschäfte entdecken kann. Das Schloss liegt auf einem Hügel, weshalb man ungefähr zehn Minuten unzählige Treppenstufen hinaufsteigen muss. Aber seid versichert: Die Mühe lohnt sich!

Verona ist ja bekanntlich die Stadt von Romeo und Julia. Passend dazu gibt es in Verona auch Julias Haus. Aufgrund des bereits erwähnten Films „Briefe an Julia“ hatte ich doch ein wenig die Illusion, dass mich ein sehr schöner, kleiner und lichtdurchfluteter Hinterhof erwarten würde, mit lauter kleinen Zetteln in der Wand. Julias Haus sah der Version im Film zwar  ähnlich und die Statue der Julia gab es auch, aber mit einem friedlichen Platz hatte es leider nichts zu tun. Touristen drängten in Massen hinein und die Statue der Julia wird von allen begrapscht. (Es gibt die Legende, dass es Glück bringt, wenn man der Statue, die an der hinteren Wand des Platzes aufgestellt ist, über die rechte Brust fährt.). Gleich gegenüber von Julias Balkon befand sich ein Souvenir-Shop, in dem Stifte, kleine Figuren und Brüste verkauft wurden. Jep, Julias rechte Brust für den Schlüsselanhänger. Ein wunderbares Mitbringsel für die Lieben zuhause. Von dieser Attraktion war ich durch meine etwas verklärten Vorstellungen schwer enttäuscht.

Nur gut, dass Essen und Wein auch über die schlimmste Enttäuschung hinweghelfen. Das beste Essen und den besten Wein haben wir in einer kleinen Seitenstraße entdeckt, als wir auf dem Weg zum Piazza delle Erbe, durch die Shoppingmeile Via Giuseppe Mazzini, unterwegs waren. In der Straße Via Scudo di Francia findet man ein Restaurant namens Antica Bottega del Vino, das laut eigener Aussage eine der besten Weinkarten Italiens hat. Und man muss wirklich sagen, dass es dort unglaublich schön ist. Die Einrichtung ist rustikal und gemütlich, das Essen ist ausgezeichnet und die Kellner, waschechte Italiener, witzig und immer offen für einen Flirt. Auf Wunsch (oder auch auf Einladung) ist es sogar möglich, den Weinkeller zu besichtigen. Dort kann man alte Flaschen bis zu einem Wert von 30.000 Euro bewundern.

Mein Fazit: Verona war schöner und unterhaltsamer als erwartet. Drei Tage sind eine sehr angenehme Zeitspanne, um die Stadt zu erkunden. Und italienische Delikatessen sind als Mitbringsel ein echter Knaller. 😉

Von

Christina Angele

Liebt: Schokolade, nerdige Filme und Kaninchen

Liebt nicht: Fisch und Heuschnupfen

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